Als Landwirt auf einem Ackerbaubetrieb in den USA

Lukas erzählt von seinen Eindrücken als Landwirt in den USA auf einem Ackerbaubetrieb während der Coronazeit.

Edmore, 6. Mai 2019

Seit fast zwei Wochen bin ich nun an meinem neuen Arbeitsort, in Edmore, ND; USA und es gefällt mir sehr gut.
Es ist ein typischer Ackerbaubetrieb, auf dem ich das nächste halbe Jahr arbeiten werde.
Auf seinen 600 ha bewirtschaftet er Weizen, Gerste, Raps und Sojabohnen. Sofern ich das bereits beurteilen kann, ist die Bewirtschaftungsart, vor allem was das Maschinelle angeht, sehr anders als in der Schweiz. Viele Bauern besitzen enorm viele Maschinen, die nicht wie bei uns in der Schweiz ausgelastet werden.
Auf meinem Betrieb hat es drei Traktoren aus den 90er Jahren, die noch keine 6000 h besitzen. Auch die zwei modernen Traktoren haben sehr wenige Stunden auf dem Stundenzähler.
Jeder Traktor/jedes Fahrzeug besitzt seine Aufgabe. Der eine wird zum Grubbern gebraucht, der andere zum Striegeln, ein weiterer zum Säen und so weiter. Kaum ein Traktor besitzt mehr als drei Aufgabengebiete. Deshalb stehen sechs Traktoren, zwei Drescher, zwei Lastwagen und vier Autos auf dem Hof, aber nur zwei Arbeiter, nämlich mein Chef und ich (wir stehen natürlich nicht!!!) Vielleicht liegt dieser enorme Ressourcenverbrauch an dem amerikanischen Lebensstil: „The more you spend, the more you save.“  Je mehr Geld du ausgibst, desto mehr sparst du.

Der Schnee ist fast überall geschmolzen und der Boden trocknet langsam. Somit kommt auch wieder leben auf die Bauernhöfe. Traktoren werden aus den Unterständen gefahren, diverse Ölwechsel gemacht, Maschinen geflickt, geputzt, geschmiert und Saatgut gekauft und geliefert. Der Pflug gibt es nur noch auf dem grossen Maschinenfriedhof hinter der Scheune. Es scheint mir, als ob jeder Bauer versucht den grössten Friedhof zu haben :). Auch wenn vieles eingewachsen ist, ist es doch ein gutes Museum, in welchem sich die maschinelle Geschichte der amerikanischen Landwirtschaft zurückverfolgen lässt. So verliess der Pflug, damals schon 6-16Scharen, in den 90er Jahren weitgehend die Felder.
Wintergetreide oder Raps gibt es hier kaum, da die Winter sehr kalt und lange sind.
Sobald der Boden genug trocken ist, wird gegrubbert, gedüngt, gestriegelt und dann gesät. Anschliessend werden die Felder nur noch für die chemische Unkraut-, Schädlings- und Krankheitsbekämpfung befahren. Somit wird die ganze Düngermenge vor/während der Saat dem Boden zugegeben. Sobald die Saat auf den Feldern beendet ist, muss man eigentlich nur noch zuschauen wie alles wächst und auf eine ertragsreiche Ernte hoffen. Gibt es eine Missernte, hat der Bauer nichts mehr, verglichen zur Schweiz, wo jeder mehrere verschiedene Betriebszweige besitzt und sich auf diese abstützen kann.
So hat man den Sommer lang Zeit, Erntemaschinen und Silos vorzubereiten, aufzuräumen, bauen, reparieren… Im Herbst wird dann geerntet und der Ertrag in Silos aufbewahrt.
Im Winter oder sogar bis zur nächsten Ernte wird der Ertrag mit dem Lastwagen an die nächste Verladestation oder Mühle gefahren. Aber ich glaube, dass es im Winter sehr ruhig zu und her geht.
So sieht also der Jahresablauf eines typischen Bauernhofes aus. Da kein Vieh gehalten wird und somit auch kein Futterbau betrieben wird, gibt es enorme Arbeitsschwankungen.

North Dakota mit rund 180'000 km2 ist ein Agrarstaat, aber auch reich an Erdöl, welches im Westen des Staates gefördert wird. Trotzdem dreht sich praktisch alles um den Ackerbau, welcher der Hauptwirtschaftssektor des Staates ist. Nicht umsonst bilden North- und South Dakota, Minnesota und weitere Staaten in dieser Region die Kornkammer der USA. Viele Agrarkonzerne, Traktoren- und Maschinenmarken kommen aus dieser Region, wie zum Beispiel John Deere, Ford, Case, Steiger, Versatile (Kanada) und auch Monsanto. 

Fliegen ist teuer, Benzin und Unterhalt des Autos billig und Flughäfen weit weg, so verwundert es nicht, dass die meisten mit dem Auto reisen. So habe auch ich meinen „Arbeitsweg“ von Kanada nach Edmore per Roadtrip quer durch Kanada und die USA zurückgelegt. Dabei habe ich viele schöne Orte, grosse Städte und freundliche Menschen angetroffen.

Naja, mal schauen was alles auf mich zukommt. Ich freue mich auf jeden Fall sehr auf die nächsten Monate, die Arbeit und Kultur. Ich geniesse die Zeit hier und bin dankbar für die Dinge, die ich hier lernen kann. 


26. August 2020

Immer noch befinde ich mich in North Dakota und es gefällt mir nach wie vor. Es geht mir gut. Mein Betrieb befindet sich im Südwesten des Staates, in der Nähe von Carson. Wir bewirtschaften 20'000 acres wovon 12'000 Weiden sind und 8'000 Ackerbau. Auf den Ackerbauflächen produzieren wir Weizen, Körnermais, Sonnenblumen und Saatbohnen. Die Bewirtschaftungsart hier im Südwesten unterscheidet sich deutlich von derjenigen im Osten des Missouri Rivers. Man probiert, so viel Wasser wie möglich zu sparen. Alles wird direkt gesät und bei der Ernte wird der Weizen so hoch wie möglich abgeschnitten, sodass sich der Schnee besser in den Reihen lagert.
Mit der Weizenernte und Bohnenernte sind wir bereits fertig. Die Erträge bei den Bohnen waren gut, beim Weizen sogar hervorragend, bis dann ein heftiger Hagelsturm kam und wir auf den verbliebenen Flächen, zirka ⅓, einen Verlust von bis zu 70% hatten. Anfangs Oktober fangen wir dann mit der Mais- und Sonnenblumenernte an.
Neben dem Ackerbau haben wir zirka 1'200 Mutterkühe. Diese wollen von Zeit zu Zeit mit neuen Weideflächen versorgt werden. Ausserdem müssen sie immer genug Wasser zur Verfügung haben, gerade jetzt, wo es so heiss ist. Mitte September fangen wir dann an, die Kälber abzusetzen. Wir werden die Zuchtkälber auf der Feedlot grossziehen, alle anderen werden dort gemästet. Ausserdem sind weitere 900 Kälber bestellt, die von Oktober an eintrudeln und die wir ebenfalls mästen werden. So bleiben wir auch im Winter beschäftigt :)
Der Betrieb wird von zwei Brüdern geführt, der eine leitet den Ackerbau, der andere die Tierhaltung. Letzten November habe ich dort angefangen im Bereich Tierhaltung zu arbeiten. Nun, im Juli, wechselte ich theoretisch zum Ackerbau, aber in der Praxis arbeite ich in beiden Bereichen. Vorläufig bleibe ich hier, denn Arbeit hat es genug. Seit meiner Ankunft sind sechs Arbeitsverträge mit CAEP ausgelaufen, aber nur zwei neue Arbeitskräfte sind dazugekommen. Wir sind deswegen zu wenig Leute, aber es findet sich immer einen Weg. Das Problem ist, dass aufgrund des Virus keine neuen Personen einreisen können. Die ganze Weltlage ist doch etwas speziell im Moment.

Lukas Leuenberger